Fráncfort escribe sus historiasBETA

Beruflich in der Welt unterwegs. J. N. schreibt, wie Bornheim Mitte der 1980er zu seinem Zuhause wurde.

10.02.2026

Sommer 1985 in der Türkei im Robinson Club Camyuva. Ich bin der Verantwortliche Sound & Light Chef und sorge für einen perfekten Ablauf der Shows im Theater, mache bei guter Laune auch mal den DJ und bilde die Leute im Team in Moderation aus. Zum Ende der Saison bekomme ich einen Anruf aus der Zentrale in Frankfurt mit dem Angebot, der Chef der gesamten Sound & Light Abteilung weltweit zu werden und in Frankfurt zu arbeiten.

Eigentlich sollte ich schon im Oktober nach Brasilien gehen, um dort einen neuen Club mit zu eröffnen. Nach einem langen Gespräch mit meiner Freundin aus Wien, beschlossen wir nach Frankfurt zu gehen. Ende Oktober 1985 kamen wir in Frankfurt an, wir kannten keinen Menschen und zogen in ein möbliertes Zimmer in die Nähe des Hessendenkmals. Im Büro in der Stresemannstraße stellte sich schnell heraus, dass auch dort kein Frankfurter, keine Frankfurterin arbeitete, aber einige waren schon länger in der Stadt und kannten sich ein bisschen aus. Meine Freundin machte sich auf Wohnungssuche und war jeden Abend der Verzweiflung nahe, viel Geld für wenig Qualität.

Aber dann der Glücksfall, eine wunderschöne, frisch renovierte Altbauwohnung in Bornheim. Die Vermieterin hatte einen Narren an Wien und auch ganz schnell an meine Freundin gefressen und so konnten wir im neuen Jahr in „unsere" Wohnung einziehen. Bornheim ist ein Dorf und sehr schnell kannten wir unseren türkischen Obsthändler, unseren österreichischen Buchhändler, unsere kroatische Kassiererin beim REWE usw. usw., wir fühlten uns sehr schnell sehr wohl, weil wir durch unsere Arbeit in der ganzen Welt immer Multikulti gewohnt waren. Wir heirateten im Römer 1986 und im Jahr 1988 wurde unsere Tochter geboren.

Als ich 2015 Rentner wurde, sah ich mich sofort nach einem Ehrenamt um und ich wurde sogar Bürgerakademiker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Ich studiere an der U3L schon seit vielen Jahren und habe ein riesiges Netzwerk an Freunden und Bekannten und fühle mich nach wie vor sehr, sehr wohl in unserer Stadt.

Jürgen Naeve